Alles hat ein Ende, nur das Seil hat... keins?

Was es mit dem unendlichen Seilbahn-Seil auf sich hat.

Mühelos und komfortabel geht es mit der Kabinenbahn auf den Gipfel. An einem dicken Stahlseil schwebst Du Meter für Meter hinauf. Bestimmt hast Du Dich dabei schon mal gefragt, wie die Kabinen überhaupt am Seil befestigt sind und das mit einem Blick nach oben überprüft. Aber wusstest Du eigentlich, dass das Seilbahn-Seil überhaupt kein Ende hat?

 

Was es mit dem unendlichen Seil auf sich hat und welche technischen Höchstleistungen für Deine Sicherheit vollbracht werden, das erklären wir Dir in diesem Blogartikel. Drehe mit uns eine Runde hinter die technischen Kulissen der Bad Kleinkirchheimer Kaiserburgbahn.

 

Das Seilbahn-Seil.

Ein tonnenschweres Stahlseil ist Namensgeber und Herzstück aller seilgezogenen Transportsysteme. Es besteht aus mehreren Strängen, den so genannten Litzen, welche sich wiederum aus rund 200 Einzeldrähten zusammensetzen. Gemeinsam winden sie sich spiralförmig um den Seilkern - und das kilometerweit. Im Skigebiet Bad Kleinkirchheim kommen beispielsweise rund 46 Kilometer Seil zum Einsatz – das entspricht in etwa der Entfernung von Klagenfurt nach Villach.

Aus zwei mach eins.

Bevor das Seil jedoch auf die Trägerrollen im Skigebiet kommt, müssen die beiden Seilenden miteinander verflochten werden. Denn um die schweren Kabinen sicher zwischen der Berg- und Talstation hin und her zu transportieren, bedarf es eines enormen Kraftaufwands. Im Vergleich zu mechanischen Seilverbindungen macht eine endlose Verbindung der Seilenden das Drahtseil noch beständiger und trägt daher maßgeblich zur Sicherheit bei.

 

Dieser Prozess nennt sich ‘Spleißen’ bzw. ‘Seilspleißung’ und ist bis heute die einzige Methode, eine endlose Seilverbindung herzustellen. Und es wird noch besser: das Spleißen wird nach wie vor von Hand ausgeführt.

Wie läuft die Seilspleißung ab?

Natürlich haben wir den letzten Spleißvorgang an der Kaiserburgbahn II genau beobachtet und dokumentiert:

 

Der Standort. Durchschnittlich 60 Meter ebenes Gelände – so viel Platz braucht es, um eine Seilspleißung durchzuführen. Dass dieser nicht immer genau dort vorhanden ist, wo die Seilbahn steht, kannst Du Dir vermutlich denken. Oft wird deshalb ein spezielles Gerüst gebaut, welches das Spleißen auch in unebenem Gelände ermöglicht. Im Falle des 4,5 km langen Seils der Kaiserburgbahn II konnten wir aber glücklicherweise auf einen breiten, unmittelbar darunter liegenden Pistenabschnitt ausweichen.

Erst Entwirren. Zunächst müssen die einzelnen Litzen an den Kabelenden entwirrt werden. Wie lange diese losen Enden sein müssen ist standardisiert und hängt vom Gesamtdurchmesser des Seils ab. Grundsätzlich gilt: je dicker das Seil, desto länger der so genannte Spleiß – also der Bereich, in dem die Litzen miteinander verbunden werden. Bei einem Seil von 44 mm Durchmesser, wie bei der Kaiserburgbahn II, ist der Spleiß beispielsweise rund 50 Meter lang.

 

Dann Verweben. Anschließend werden die Litzen der beiden Seilenden ineinander gelegt, gut umwickelt und wieder miteinander verwoben. Mit einer hydraulischen Presse wird das Seil dann zusammengepresst und verdichtet.

Die Testphase. Bevor das Seil (wieder) in Betrieb geht und die ersten Fahrgäste befördert, muss es selbstverständlich ausgiebig getestet werden.

 

Rund zwei Tage waren unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Seilspleißung an der Kaiserburgbahn II im Einsatz, angeleitet von einem Spezialisten der Firma Teufelberger. Und die Spleißstelle? Die ist nicht mehr sichtbar. Und das ist auch wichtig, denn nur so kann das Seil sauber über die Rollen geführt werden.

 

Wusstest Du…? Beim Spleißen spricht man auch von der ‘Verheiratung’ der einzelnen Litzen. Eine schöne Metapher, nicht wahr?

Auswechseln oder reparieren?

Seilbahnen zählen zu den sichersten Verkehrsmitteln – das bestätigt auch der TÜV-Verband. Das liegt unter anderem daran, dass das österreichische Seilbahngesetz alle Bergbahnen zur jährlichen Wartung ihrer Seile verpflichtet. Alle fünf Jahre findet zusätzlich eine spezielle Überprüfung durch externe Sachverständige statt.

 

Und diese Kontrollen machen Sinn: Ein gut gewartetes Seil glänzt nicht selten mit einer Lebensdauer von bis zu 40 Jahren. Wann und wie oft eine Sanierung bzw. eine neuerliche Seilspleißung notwendig ist, kommt unter anderem auch auf die Betriebsstunden der Seilbahn selbst an.

 

Bei den Kontrollen nimmt unser Team die Veränderungen des Seilzustands genau unter die Lupe. Muss das Seil ausgewechselt werden, spricht man von der so genannten Ablegereife. Äußerlich erkennt man diese durch Drahtbrüche und Abrieb. Um den inneren Zustand des Seils zu überprüfen, wird es mittels eines magnetinduktiven Prüfverfahrens durchleuchtet – wie beim Röntgen.

 

Übrigens: Da Drahtseile aus vielen Einzeldrähten bestehen, verteilt sich auch die auf sie wirkende Kraft gleichmäßig auf alle Drähte. Selbst wenn einige der Drähte durch die Abnutzung bereits gebrochen sind, ist das Seil in der Regel daher aber noch betriebssicher.

 

Ganz schön spannend, nicht wahr? Mit diesem Insider-Wissen kannst Du bei der nächsten Auffahrt ins Skigebiet sicher ein bisschen angeben.

Möchtest Du noch weiter in die technischen Tiefen der Bad Kleinkirchheimer Bergbahnen eintauchen? In der Blog-Rubrik ‘Einblicke’ findest Du viele spannende Blogartikel zu diesem Thema, z.B. über die Sommerrevision der Bergbahnen oder über unsere Schneeerzeuger. Vorbeischauen lohnt sich!